Was ist Globales Lernen?

Was wir unter Globalem Lernen verstehen

„Voll global!“ – das ist die Welt, der wir täglich begegnen, die wir oft in ihrer Vielfalt genießen, der wir uns manches Mal aber auch hilflos ausgesetzt fühlen. Denn die globalisierte Welt ist gekennzeichnet von vielen Widersprüchlichkeiten und Ungerechtigkeiten: offene Grenzen für einige – hohe Zäune für viele; unendliche Konsummöglichkeiten einerseits – ausbeuterische Arbeitsbedingungen andererseits; unbegrenztes Wirtschaftswachstum als Zielvorgabe eines Teils der Welt – Ressourcenknappheit und Klimawandel als Konsequenz für alle.
Die globalen Herausforderungen erscheinen wegen dieser Komplexität schwer vermittelbar.
Globales Lernen verstehen wir als einen Prozess, der sich mit der Globalität und Vielfalt der Welt in all ihren Widersprüchlichkeiten beschäftigt. Es vermittelt Wissen und schärft vor allem auch das Bewusstsein für globale Fragestellungen und Zusammenhänge. Es unterstützt dabei, die eigene Rolle in der Welt wahrzunehmen und zu überprüfen. Dabei setzt es Vertrautes, das eigene soziale Umfeld, in Bezug zu Unbekannterem und weitet so den Blick über den eigenen „Tellerrand“ hinaus.
Globales Lernen ist ganzheitliches Lernen. Es findet mit allen Sinnen, partizipativ, interaktiv, multiperspektivisch und handlungsorientiert statt. Weil das eigene Tun am besten nachhaltige Lernprozesse auslösen kann, lädt Globales Lernen zum Ausprobieren, Experimentieren und Entdecken der eigenen Fähigkeiten ein.
Globales Lernen ist auch ein Lernen über uns selbst. Es trifft in der Schule auf stereotype Bilder vom globalen Süden, die oft noch in den Köpfen von Kindern und Lehrkräften vorhanden sind. Diese gilt es aufzudecken und gemeinsam zu reflektieren. Ein Bildungsangebot des Globalen Lernens arbeitet deswegen bewusst mit Irritation und Perspektivwechsel, um z.B. eurozentrische oder rassistische Einstellungen und vermeintliche „Wahrheiten“ zu hinterfragen: Wer ist eigentlich deutsch? Wie sind meine Familie und die meiner Mitschüler*innen in meinen Heimatort gekommen? Was wissen wir über afrikanische Länder und warum reduzieren wir ihre Vielfalt auf stereotype Vorstellungen?
Schließlich fördert Globales Lernen positive Gesellschaftsentwürfe und Visionen und ermutigt und befähigt Menschen, die Welt aktiv mitzugestalten. Dabei geht es darum, bei uns vor Ort anzusetzen, vorhandene Missstände, die möglicherweise globale Auswirkungen haben, zu erkennen, zu benennen und nach Möglichkeit zu beheben. So wichtig auch grundsätzliche, strukturelle Veränderungen sind, kann doch jede und jeder darüber hinaus einen Beitrag für eine nachhaltige, gerechte Welt leisten: Welchen? Das wollen wir gemeinsam während der Bildungstage erarbeiten.